Woher der Name ‚Ballermann’ kommt – und warum er das falsche Bild von Mallorca zeigt

Wenn in Deutschland das Wort „Mallorca” fällt, taucht bei vielen sofort dasselbe Bild auf: Bierkönig, Sangria im Eimer, Schlager, Fußballtrikots um die Mittagszeit. Der Ballermann. Dabei wissen die wenigsten, dass dieser berühmteste Urlaubsort Deutschlands gar nicht in Deutschland liegt – und im Kern nur eine kleine Strandbude ist.

Der Name ist ein Missverständnis, und zwar ein hübsches.

„Ballermann” kommt vom spanischen Wort „Balneario”, was schlicht Strandbad heißt. Entlang der Playa de Palma stehen nummerierte Strandlokale, die Balnearios. Eines davon, die Nummer 6, wurde Anfang der Siebziger zum Lieblingstreff deutscher Urlauber – die ursprüngliche Bude stammt von 1972. Aus „Balneario” machte der deutsche Mund „Ballermann”, und weil „ballern” hierzulande fürs kräftige Trinken steht, passte der Name wie angegossen zum Ruf, der da gerade entstand.

Selbst die Hausnummer hat eine kleine Geschichte.

Anfang der Neunziger wurde die Playa umgebaut, die alten Strandbuden fielen weg, aus ursprünglich zehn Balnearios wurden fünfzehn. Damit die legendäre Nummer 6 ungefähr an ihrem Platz bleiben konnte, drehte man kurzerhand die Zählrichtung um. Und das Lokal selbst? Heißt seit 2017 offiziell gar nicht mehr Ballermann, sondern „Beach Club Six”. Der Mythos ist also größer als das Schild an der Tür.

Jetzt kommt der Teil, den kaum jemand mitdenkt.

Wenn deutsche Medien „Ballermann” sagen, meinen sie meist nicht die eine Bar, sondern das Partyviertel rund um die Balnearios fünf, sechs und sieben. Das sind ein paar hundert Meter Strandpromenade. Mallorca dagegen ist rund 3.600 Quadratkilometer groß – Berge, Mandelhaine, stille Bergdörfer, eine Altstadt in Palma, Buchten, in denen im Oktober keine Menschenseele steht.

Der unbequeme Satz lautet also:

Das halbe Deutschland-Bild von Mallorca hängt an ein paar hundert Metern Strand – und übersieht die ganze restliche Insel. Wer Mallorca nur vom Ballermann kennt, kennt Mallorca ungefähr so gut, wie man Deutschland kennt, wenn man einmal auf dem Oktoberfest war.

Und genau das ist der Punkt für alle, die mehr wollen als Urlaub.

Die Insel, in die man sich verliebt und in der manche ihren nächsten Lebensabschnitt verbringen, ist fast nie die vom Ballermann. Es ist der Wochenmarkt am Dienstag, der Nachbar, der dich mit Namen grüßt, der Cortado in einem Dorf, dessen Namen die Reiseprospekte nicht kennen. Das laute Mallorca ist echt und darf sein – es ist nur eben nicht die Insel, auf der man ankommt.

Der Ballermann ist ein guter Beweis dafür, wie schief ein Bild werden kann, wenn man eine ganze Insel auf ihre lauteste Ecke reduziert. Wer wirklich überlegt, ein Stück seines Lebens hierher zu verlegen, tut gut daran, hinter die Postkarte – und hinter die Schlagzeile – zu schauen.

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